Dein KI-Gedächtnis einrichten — das dir gehört, nicht dem Anbieter.
Claude ist stark beim Programmieren, aber jede neue Sitzung fängt bei null an. Die Lösung ist schlicht ein Ordner: Obsidian legt deine Notizen als ganz normale Textdateien auf deiner Platte ab, und genau deshalb kann jede KI damit arbeiten. Hier ist die komplette Einrichtung inklusive der Ordner-Struktur, ohne die der Agent in deinen Notizen gar nichts findet.
Du hast ZWEITHIRN kommentiert und den Link per DM bekommen? Genau richtig — das hier ist die komplette Anleitung aus dem Video.
Bevor du startest
Was du brauchst
- Obsidian. Gratis für den privaten Gebrauch, ohne Anmeldung, Download auf obsidian.md.
- Ein Terminal. Auf dem Mac ist das die App „Terminal“, unter Windows die PowerShell.
- Claude Code. Für Schritt 4 zusätzlich Node.js, damit ‹npx› verfügbar ist.
Schritt 1 · Vault anlegen
Ein „Vault“ ist in Obsidian nichts weiter als ein Ordner. Öffne Obsidian und wähle Create new vault, gib ihm einen Namen und einen Ort, den du wiederfindest. Dein Benutzerordner reicht völlig.
Öffne den Ordner danach einmal im Finder oder Explorer. Du siehst nichts Besonderes: keine Datenbank, kein proprietäres Format, keine Cloud dazwischen.
Merksatz: Alles, was du ab jetzt in Obsidian schreibst, ist eine .md-Datei in diesem Ordner. Wenn Obsidian morgen verschwindet, kannst du deine Notizen mit jedem Texteditor öffnen.
Schritt 2 · Zwei, drei Notizen anlegen
Bevor du den Agenten dranlässt, braucht er etwas zu lesen. Leg zwei oder drei Notizen an, so wie du sie normal schreiben würdest.
Wichtig ist dabei nur eines: Verlinke sie untereinander. In Obsidian schreibst du dafür den Notiznamen in doppelte eckige Klammern. Aus einer Projektnotiz heraus also zum Beispiel Details siehe [[Angebot]].
Diese Verlinkungen sind später der Unterschied zwischen „der Agent durchsucht Dateien“ und „der Agent versteht, was zusammengehört“.
Schritt 3 · Die Ordner-Struktur
Ohne erkennbare Struktur findet der Agent in deinen Notizen gar nichts. Er braucht keine perfekte Ordnung, aber eine, die einem Muster folgt.
Die Struktur unten ist ein Muster, kein Gesetz; Namen tauschst du gegen deine eigenen. Entscheidend sind die drei Merkmale darunter.
mein-vault/
├── projekte/
│ ├── kundenprojekt/
│ │ ├── notizen.md
│ │ └── termine.md
│ └── archiv/
├── wissen/
│ └── themen-notizen.md
└── index.md
Worauf es ankommt:
- Eine Einstiegsdatei. Eine einzige Notiz ganz oben, die auf alles Wichtige verlinkt. Der Agent beginnt dort und hangelt sich weiter, statt blind zu suchen.
- Ein Ordner pro Vorhaben, nicht pro Dateityp. Alles zu einem Projekt liegt beieinander. Ordner wie bilder/ oder pdfs/ quer über alle Projekte machen genau das kaputt.
- Gleiche Dateinamen für gleiche Rollen. Wenn die laufende Chronik in jedem Projekt log.md heißt und die Übersicht notizen.md, erkennt der Agent das Muster nach zwei Projekten von selbst.
Anti-Muster: notiz_final_v3.md, unbenannt 2.md, kopie von notiz.md, alles auf einer Ebene. In so einem Ordner läuft jede Suche ins Leere.
Schritt 4 · Claude Code auf den Vault lassen
Öffne dein Terminal und wechsle in den Vault-Ordner:
cd ~/mein-vault
claude
Das war es. Claude Code läuft jetzt IM Vault und liest die Dateien darin wie jedes andere Projekt.
Optional, aber empfohlen sind die offiziellen Obsidian-Skills:
npx skills add https://github.com/kepano/obsidian-skills
Damit kennt dein Agent die Obsidian-Formate, statt sie zu raten. Danach kannst du ihn in normalem Deutsch fragen, etwa „Was habe ich zu diesem Projekt zuletzt entschieden und warum?“, und er zieht die Antwort aus deinen Notizen zusammen, samt Verlinkungen.
Für Fortgeschrittene: Obsidian hat seit Version 1.12 eine eingebaute Kommandozeile (Einstellungen → Allgemein → „Command line interface“). Damit kann der Agent auch die LAUFENDE App steuern: Tagesnotizen anlegen, Verlinkungen abfragen, Aufgaben abhaken. Sie setzt voraus, dass Obsidian geöffnet ist.
Schritt 5 · Privatsphäre
Deine Dateien bleiben bei dir. Was du durch Claude schickst, verlässt deinen Rechner aber.
Bei den Plänen Free, Pro und Max nutzt Anthropic Unterhaltungen und Coding-Sitzungen zum Training, solange du nicht widersprichst, mit Aufbewahrung bis zu fünf Jahre statt der sonst üblichen dreißig Tage. Geschäfts- und API-Zugänge sind ausgenommen.
So schaltest du es ab: In den Claude-Einstellungen unter Privatsphäre die Trainings-Option deaktivieren. Die Einstellung lässt sich jederzeit ändern.
Und ganz praktisch: Überleg dir, was in dem Ordner liegt, den du dem Agenten zeigst. Sensible Kundendaten, Bewerbungen oder private Aufzeichnungen gehören in einen getrennten Vault, den du gar nicht erst öffnest, wenn der Agent läuft.
Womit du anfängst
Fang klein an. Ein Vault, drei Notizen, eine Verlinkung, ein Gespräch mit dem Agenten darüber. Der Wert entsteht nicht am ersten Tag, sondern wenn nach ein paar Wochen genug dasteht, dass der Agent Zusammenhänge findet, die du selbst vergessen hattest.
Und weil alles nur Textdateien sind: Was du jetzt aufbaust, gehört dir auch dann noch, wenn das nächste Modell kommt.
Erfolgs-Check
Das kannst du danach
- Claude arbeitet mit deinem gesammelten Projekt-Wissen, statt dass du bei jeder Sitzung von vorne erklärst.
- Du wechselst das Modell oder das Werkzeug, ohne dein Wissen zu verlieren, es liegt als Textdatei bei dir.
- Dein Agent findet zusammengehörige Notizen über Verlinkungen statt über blindes Suchen.
- Du gibst deinem Agenten mit den offiziellen Obsidian-Skills die Formate mit, statt dass er sie errät.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Brauche ich dafür ein Plugin oder einen MCP-Server?
Nein, und genau das verkomplizieren fast alle Anleitungen. Ein Obsidian-Vault IST nur ein Ordner mit Markdown-Dateien. Claude Code kann Ordner lesen. Du wechselst mit ‹cd› in den Ordner, startest Claude darin, fertig. MCP-Server und Obsidian-Plugins brauchst du erst, wenn du die LAUFENDE Obsidian-App fernsteuern willst (Tagesnotiz anlegen, Plugins schalten). Für den Zugriff auf deine Notizen sind sie überflüssig.
Was kostet Obsidian?
Für den persönlichen Gebrauch nichts, und du musst dich nicht einmal anmelden. Wörtlich steht auf der Preisseite „Free without limits. No sign-up required.“ Eine kommerzielle Lizenz ist ausdrücklich NICHT erforderlich, wird bei geschäftlicher Nutzung aber empfohlen. Geld kosten nur die Zusatzdienste Sync (Geräte-Abgleich) und Publish (Website), beides brauchst du für diesen Guide nicht.
Bleiben meine Notizen wirklich bei mir?
Die DATEIEN ja, sie liegen unverschlüsselt als Textdateien auf deiner Platte, ohne Cloud dazwischen. Bei der zweiten Hälfte solltest du ehrlich zu dir selbst sein: Was du durch Claude schickst, geht an Anthropic. Bei den Plänen Free, Pro und Max werden Unterhaltungen und Coding-Sitzungen seit dem 28. August 2025 für das Training genutzt, solange du nicht widersprichst, und dann bis zu fünf Jahre aufbewahrt. Der Widerspruch ist ein Schalter in den Privatsphäre-Einstellungen, siehe Schritt 5. Geschäfts- und API-Zugänge sind davon ausgenommen.
Warum überlebt mein Wissen einen Modellwechsel?
Weil nichts davon im Modell steckt. Deine Notizen sind Markdown-Dateien in einem offenen Format; das Modell liest sie nur. Wechselst du von Claude zu einem anderen Agenten, zeigst du dem neuen denselben Ordner. Die offiziellen Obsidian-Skills folgen zusätzlich der Agent-Skills-Spezifikation und funktionieren deshalb auch mit anderen Agenten, nicht nur mit Claude.
Was sind diese offiziellen Skills genau?
Fünf Anleitungs-Dateien, die der Obsidian-Entwickler selbst veröffentlicht hat. Sie bringen einem Agenten die Formate bei, die Obsidian benutzt: die erweiterte Markdown-Syntax, Datenbank-Ansichten, das Canvas-Format, die eingebaute Kommandozeile und ein Werkzeug zum Auslesen von Webseiten. Ohne sie rät der Agent bei Obsidian-Eigenheiten oft daneben.
Muss ich meine Notizen umbauen, damit das funktioniert?
Nicht umbauen, aber ordnen. In einem Ordner voller ‹unbenannt 2.md› und ‹kopie von notiz.md› findet auch ein guter Agent nichts. Er braucht keine perfekte Struktur, aber eine erkennbare. Schritt 3 zeigt eine, die für die meisten passt.
Ich nutze schon Obsidian mit vielen Notizen. Kann ich direkt loslegen?
Ja. Überspring Schritt 1 und 2, geh direkt zu Schritt 3 und schau, ob deine Struktur die drei Merkmale erfüllt. Danach Schritt 4 und 5.
Jedes Video hat sein eigenes Keyword — du findest es im Video und in der Caption. Kommentier es, und die Anleitung landet automatisch in deinen DMs. Kostenlos, ohne Anmeldung.
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